Turmalin: Farben, Eigenschaften und Pflege des Edelsteins
Turmalin ist eine Mineralgruppe mit einer der größten Farbspannen aller Edelsteine. Der Edelstein hat die Mohshärte 7 bis 7,5 und eignet sich allgemein zum täglichen Tragen. Zur Reinigung empfiehlt das Gemological Institute of America (GIA) warmes Seifenwasser und eine weiche Bürste.
Das Wichtigste in Kürze
- Mineralgruppe: Turmalin ist eine Gruppe von Mineralen, die alle den gleichen strukturellen Aufbau haben.
- Farben: Turmaline reichen von farblos bis schwarz, und ein einzelner Kristall kann Zonen verschiedener Farben zeigen.
- Härte: Turmalin erreicht die Mohshärte 7 bis 7,5 und ist damit ungefähr so hart wie Quarz.
- Elektrizität: Turmalin lädt sich beim Erwärmen elektrisch auf, ebenso unter Druck.
- Pflege: Warmes Seifenwasser reinigt Turmalin am besten, Ultraschall- und Dampfreiniger sind nicht zu empfehlen.

Was ist Turmalin?
Turmalin ist eine Gruppe von Mineralen aus der Abteilung der Ringsilikate, die alle den gleichen strukturellen Aufbau haben. Ringsilikate sind Silikate, deren Bausteine aus Ringen verknüpfter Silizium-Sauerstoff-Tetraeder bestehen. Beim Turmalin bilden jeweils sechs Tetraeder einen Ring. Turmaline sind die häufigsten Borsilikate der Erdkruste.
Turmaline enthalten die Elemente Silizium, Aluminium und Bor. Dazu kommt eine komplexe Mischung weiterer Elemente, zum Beispiel Natrium, Lithium, Calcium, Magnesium, Mangan und Eisen. Die wichtigsten Turmalin-Arten sind Elbait, Liddicoatit, Dravit, Uvit und Schörl. Die meisten Edelstein-Turmaline sind Elbaite. Elbait bietet die größte Farbspanne unter den Turmalinen in Edelsteinqualität. Schörl ist das häufigste Mineral der Turmalingruppe.
Die chemische Zusammensetzung ist für die Farbe des Turmalins verantwortlich.
Welche Farben und Handelsnamen gibt es beim Turmalin?
Turmaline sind je nach Zusammensetzung farblos bis schwarz oder zeigen Schattierungen von Blau, Violett, Rot, Gelb, Braun und Grün. An einem Kristall können Zonen verschiedener Farben auftreten. Viele Farbvarietäten tragen eigene Handelsnamen, zum Beispiel Rubellit, Indigolith und Paraíba. Die Tabelle zeigt acht bekannte Handelsnamen.
| Handelsname | Farbe | Hinweis |
|---|---|---|
| Rubellit | rosa, rot, purpurrot, orangerot oder bräunlich rot | Für rosa Steine ist der Name im Handel umstritten |
| Indigolith | dunkel violettstichig blau, blau oder grünlich blau | Vermutlich Elbait-Schörl-Mischkristalle |
| Verdelith | grün | Vermutlich Elbait-Schörl-Mischkristall |
| Chrom-Turmalin | intensiv grün | Meist durch Vanadium gefärbt |
| Paraíba-Turmalin | intensiv violettstichig blau, grünlich blau oder blau | Aus dem brasilianischen Bundesstaat Paraíba, durch Kupfer gefärbt |
| Wassermelonen-Turmalin | rosa Kern, grüner Rand | Kristalle werden meist in Scheiben geschnitten |
| Achroit | farblos | Meist Elbait oder Rossmanit |
| Schörl | schwarz, bläulich-schwarz oder grünlich-schwarz | Selten als Edelstein verwendet |
In den späten 1980er-Jahren kamen leuchtend grüne, blaue und violette Turmaline aus dem brasilianischen Bundesstaat Paraíba auf den Markt. Wissenschaftler fanden heraus, dass Spuren von Kupfer diese intensiven Farben verursachen. Anfang der 2000er-Jahre wurden kupferhaltige Turmaline vom Paraíba-Typ auch in Mosambik und Nigeria entdeckt.
Die Farbursachen sind vielfältig. Spuren von Eisen und möglicherweise Titan erzeugen nach allgemeiner Auffassung grüne und blaue Farben. Mangan erzeugt Rot und Rosa und möglicherweise Gelb.
Turmalin ist stark pleochroitisch. Pleochroismus bedeutet, dass ein Kristall in verschiedenen Richtungen verschiedene Farben zeigen kann. Eine der beiden Farben ist beim Turmalin meist deutlich dunkler als die andere. Ein Kristall, der quer betrachtet hellgrün wirkt, kann in Längsrichtung sehr dunkelgrün und manchmal fast schwarz erscheinen. Schleifer müssen diese optischen Eigenschaften beim Schliff berücksichtigen.
Die Farbvielfalt des Turmalins steckt auch in seinem Namen.
Woher stammt der Name Turmalin?
Der Name Turmalin stammt vom singhalesischen Wort toramalli, das „stone with mixed colors“ bedeutet, also Stein mit gemischten Farben. Singhalesisch ist eine Sprache Sri Lankas. Niederländische Händler bezeichneten mit dem Wort bunte, vom Wasser abgeschliffene Kiesel aus den Edelsteinschottern Ceylons. Ceylon ist der frühere Name Sri Lankas. In Europa wird der Name Turmalin ab etwa 1700 verwendet.
Turmalin wurde lange mit anderen Edelsteinen verwechselt. Vor der modernen Mineralogie hielt man Turmalin je nach Farbe für Rubin, Saphir oder Smaragd. Der Überlieferung nach verwechselte ein spanischer Konquistador im 16. Jahrhundert in Brasilien einen grünen Turmalin mit Smaragd. Erst im 19. Jahrhundert erkannten Wissenschaftler Turmalin als eigene Mineralart.
Zwei berühmte Schmuckstücke zeigen diese Verwechslung:
- Wenzelskrone: Ein zentraler „Rubin“ der Krone aus dem 14. Jahrhundert gilt als roter Turmalin.
- Russische Kronjuwelen: Der Anhänger „Caesar's Ruby“ ist ein roter Turmalin, also ein Rubellit.
Neben den Farben hat Turmalin eine physikalische Besonderheit.
Warum wird Turmalin „elektrischer Stein“ genannt?
Turmalin lädt sich beim Erwärmen elektrisch auf, und Carl von Linné beschrieb 1747 einen „Lapidem Electricum“, also einen elektrischen Stein. Einem Bericht von 1707 zufolge führten Niederländer 1703 einen Turmalin aus Ceylon ein. Nach diesem Bericht konnte der Stein erhitzt Asche anziehen und hieß deshalb auch ashentrekker. Franz Ulrich Theodor Aepinus bewies 1756 die elektrische Natur dieser Anziehungskraft.
Turmalin zeigt zwei elektrische Effekte:
- Pyroelektrizität: Eine Temperaturänderung lädt die gegenüberliegenden Kristallenden elektrisch entgegengesetzt auf.
- Piezoelektrizität: Druck oder Verdrehung des Kristalls lädt die gegenüberliegenden Kristallenden ebenfalls entgegengesetzt auf.
Den Begriff Pyroelektrizität führte David Brewster erst 1824 ein.
Für Schmuck zählt neben solchen Besonderheiten vor allem die Widerstandsfähigkeit des Turmalins.
Wie hart ist Turmalin und eignet er sich für Ringe?
Turmalin hat die Mohshärte 7 bis 7,5 und ist allgemein zum täglichen Tragen geeignet. Die Mohsskala ordnet Minerale danach, wie leicht oder schwer sich ein Mineral von einem anderen ritzen lässt. Turmalin ist damit ungefähr so hart wie Quarz. Die Abstände der Mohsskala sind allerdings nicht gleichmäßig.
| Kriterium | Wert beim Turmalin |
|---|---|
| Mohshärte | 7 bis 7,5 (GIA) |
| Härtevergleich | ungefähr so hart wie Quarz |
| Dichte | 2,82 bis 3,32 g/cm³ |
| Licht | im Allgemeinen beständig |
| Chemikalien | beständig gegenüber den meisten Chemikalien |
| Hitze | kann den Stein beschädigen |
| Alltag | allgemein zum täglichen Tragen geeignet |
Starke Hitze kann die Farbe verändern. Plötzliche Temperaturwechsel können zu Rissen führen.
Ringe mit Turmalin zeigen wir auf unserer Seite Ringe, zum Beispiel Gelbgoldringe mit grünem Turmalin. Anhänger und Colliers mit Turmalin finden Sie unter Halsschmuck. Ohrstecker und Ohrhänger mit Turmalin stehen auf der Seite Ohrschmuck.
Bei farbigen Edelsteinen stellt sich neben der Härte auch die Frage nach Behandlungen.
Wie wird Turmalin behandelt?
Manche Turmaline können zur Verbesserung der Farbe behandelt worden sein, die zwei wichtigsten Verfahren sind Erhitzen und Bestrahlung. Nach Angaben des GIA sind Farbänderungen durch Erhitzen beständig und nicht nachweisbar. Steine mit vielen Flüssigkeitseinschlüssen halten keine Hitzebehandlung aus. Farbänderungen durch Bestrahlung können unter Hitze oder starkem Licht verblassen.
Farbige Turmaline wachsen in einer flüssigkeitsreichen Umgebung. Ein Teil dieser Flüssigkeiten wird beim Kristallwachstum oft als Einschluss eingeschlossen. Rosa bis rote Turmaline haben oft mehr sichtbare Einschlüsse als grüne bis blaue Turmaline. Bei rosa und roten Turmalinen sind mit bloßem Auge sichtbare Einschlüsse nicht ungewöhnlich. Bei grünen Turmalinen erwartet man dagegen keine mit bloßem Auge sichtbaren Einschlüsse.
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Die Empfindlichkeit gegenüber Hitze spielt auch bei der Reinigung von Turmalin eine Rolle.
Wie reinigen und pflegen Sie Turmalinschmuck?
Turmalinschmuck reinigen Sie am besten mit warmem Seifenwasser und einer weichen Bürste. Aus den Angaben des GIA ergeben sich vier Pflegeregeln für Turmalin:
- Warmes Seifenwasser verwenden.
- Weiche Bürste zum Reinigen nehmen.
- Ultraschall- und Dampfreiniger nicht verwenden.
- Hitze und plötzliche Temperaturwechsel vermeiden.
Allgemeine Tipps für andere Materialien finden Sie im Ratgeber Schmuck reinigen mit Hausmitteln.
Neben den belegten physikalischen Eigenschaften werden Turmalin auch Wirkungen zugeschrieben.
Welche Wirkung wird Turmalin nachgesagt?
Den verschiedenen Turmalinfarben wird der Überlieferung nach jeweils eine eigene Heilwirkung zugeschrieben, wissenschaftlich nachgewiesen ist keine davon. Für Heilsteine existieren keine wissenschaftlichen Hinweise auf eine Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus. Placeboeffekte sind positive Veränderungen des Gesundheitszustandes, die durch eine Behandlung mit Placebo hervorgerufen werden.
Fazit: Turmalin in drei Sätzen
Turmalin ist eine Mineralgruppe mit einer der größten Farbspannen aller Edelsteine, vom farblosen Achroit bis zum schwarzen Schörl. Mit der Mohshärte 7 bis 7,5 ist Turmalin allgemein zum täglichen Tragen geeignet, Hitze und plötzliche Temperaturwechsel können ihm jedoch schaden. Für Heilwirkungen von Turmalin gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis.
Häufig gestellte Fragen
Ist Turmalin ein Geburtsstein?
Ja, Turmalin gilt neben Opal als Geburtsstein für Oktober. Turmalin gilt außerdem als Edelstein zum achten Hochzeitstag. Mehr über den zweiten Oktoberstein lesen Sie im Ratgeber Was ist ein Opal?.
Was ist ein Paraíba-Turmalin?
Ein Paraíba-Turmalin ist ein intensiv violettstichig blauer, grünlich blauer oder blauer Turmalin aus dem brasilianischen Bundesstaat Paraíba. Die intensiven Farben entstehen durch Spuren von Kupfer. Kupferhaltige Turmaline vom Paraíba-Typ stammen auch aus Mosambik und Nigeria.
Was ist ein Wassermelonen-Turmalin?
Ein Wassermelonen-Turmalin ist in der Mitte rosa und außen grün. Die Kristalle werden meist in Scheiben geschnitten, damit die Farbanordnung sichtbar wird.
Ist schwarzer Turmalin ein Schmuckstein?
Schörl wird im Handel oft schwarzer Turmalin genannt und selten als Edelstein verwendet. Schörl wurde aber in Trauerschmuck verwendet. Schörl ist meist schwarz und reich an Eisen.
Kann Turmalin in den Ultraschallreiniger?
Nein, Ultraschall- und Dampfreiniger sind für Turmalin nicht zu empfehlen. Warmes Seifenwasser und eine weiche Bürste sind die beste Reinigung.
